16.01.2022

Mal ausprobieren, welcher läuft und läuft und läuft und läuft...

Vor ein paar Wochen war ich mit unserem BMW und einem angehenden Fahranfänger auf dem ADAC Verkehrsübungsplatz um zwei entspannte Stunden des Fahrens, Anfahrens und Parkens zu verbringen. Beim BMW habe ich die automatische Verriegelungsfunktion ab 20 km/h stets aktiviert, sodass bei der ersten schnelleren Fahrt im zweiten Gang sodann das Fahrzeug versuchte die Türen zu schließen. Ungewohnter weise ratterte plötzlich das Türschloss der Fahrertür wie im Video ersichtlich. Nach einigen Versuchen schloss es dann, öffnete aber nicht mehr sofort. Mit viel Wackelei ging es dann sporadisch wieder.

Am nächsten Morgen fuhr ich dann zur SB-Waschanlage, in der Hoffnung das Schloss, welches von einem anderen zeitweiligen Fahrer des BMW mit einer Art Talkum-Spray eingesprüht wurde und dadurch erstaunlich schwergängig war, durch Reinigung etwas leichtgängiger machen zu können. Im Prozess stellte ich dann jedoch fest, dass das verschlossene Schloss sich nun (Tür war offen) nicht mehr öffnen ließ, was das Schließen der Tür unmöglich machte.

Ein bisschen zu viel des Guten

So fuhr ich mit offener Tür zur nächstgelegenen ATU-Niederlassung und fragte um Hilfe – die kam freundlich, prompt und kostenlos: Der Meister machte sich mit einem Schraubenzieher ans Werk, 2 Minuten später war das Schloss offen. Er verabschiedete sich freundlich mit dem Hinweis, dass er die Tür nun nicht mehr schließen würde. Ins Fahrzeug gesetzt, losgefahren, schneller als 20 km/h gewesen und zack – Schloss zu, geht nicht mehr auf. Kein Tastendruck hilft, kein Türgriff, weder innen noch außen auch der mechanische Türschlüssel ist nutzlos. Schloss zu, Tür zu, Verkleidung noch installiert, Katastrophe. Erstmal Recherche im Internet.

Während der Recherche habe ich dann von vielen derartigen Fällen gelesen, manch einer hat seiner Werkstatt 5 Stunden Arbeit bezahlt um die Verkleidung innen abzureißen und das alte Schloss mit Gewalt herauszuklopfen. Das Problem: Die Verkleidung ist nur schwer ohne Beschädigung zu entfernen, wenn die Tür verschlossen ist. Das Schloss ist auf normalem Wege gar nicht aus der Tür zu entfernen, solange die Tür zu ist, da es mit drei Torx-Schrauben gehalten wird, von denen zwei nur seitlich bei geöffneter Tür zugänglich sind.

Im folgenden möchte ich beschreiben, wie ich der Situation selber Herr geworden bin ohne teurere Schäden anzurichten.

Was wird benötigt?

Tür zu, Schloss öffnet gar nicht mehr

Meine Lösung war hier nach mindestens 2 Stunden ausprobieren:

  • Verkleidung vorsichtig entfernen
    • hierfür die Verkleidungsleiste entfernen
    • 3 lange Torx-Schrauben herausdrehen
    • Verkleidung zu mir ziehen an so vielen Stellen wie möglich
    • wenn Verkleidung fast locker, mit Kraft seitlich wegziehen (einige Plasteclips brechen hierbei, meiner Meinung nach unvermeidbar)
  • Schloss vom Strom und allen Bowdenzügen sowie den Verriegelungsstift lösen
  • mit einem Schraubendreher das hinter dem Hebel für den Verriegelungsstift sichtbare Zahnrad langsam drehen
  • dabei mit dem Hebel des inneren Türgriffs immer wieder versuchen das Schloss zu öffnen

Wie Schloss entfernen ohne die Scheibe zu demontieren

Hierbei ist etwas Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt. Das Schloss ist entnehmbar ohne die Scheibe zu entfernen. Hierzu werden an der Strebe, an der der Bowdenzug für die Scheibe läuft, zwei Muttern mit 10er Sechskant-Kopf gelöst (Obere) und entfernt (Untere). Die Strebe lässt sich dann mit leicht abgesenktem Fenster in die Tür drücken und das Schloss an ihr vorbei manövrieren.

Achtung! Die mechanische Betätigung für das Schloss steckt noch fest. Um sie zu trennen und den Schließzylinder zu entfernen, muss seitlich eine Schraube mit einem kleinen Sechskant-Schaubendreher gelöst und der Schließzylinder mit Metallverlängerung nach außen abgezogen werden:

Mutmaßliche Ursache des Defekts

Die mutmaßliche Ursache des Defekts des ersten Schlosses offenbarte sich dann beim Öffnen des defekten Schlosses:

Neues Schloss öffnet, aber das gesamte Fahrzeug schließt nicht mehr sobald das neue Schloss angesteckt ist

Nachdem ich das alte Schloss nun entfernt hatte, testete ich kurz das neue Schloss. Ein Neuteil der Firma VEMO, welches ich über den lokalen Teilehändler bestellte und daher nach nur 24 Stunden schon vorliegen hatte. Laut Datum auf dem Neuteil aus dem Herstellungsjahr 2019 stammend.

Das Schloss öffnete normal, verschloss jedoch nicht. Im Gegenteil: Bei angestecktem Schloss ließ sich das gesamte Fahrzeug nicht mehr verschließen. Da ich dies zum ersten mal machte, ging ich davon aus, dass dies eine normale Funktion sei, und das Fahrzeug nur dann schließt, wenn das Schloss auch am Schlossbügel befindlich ist.

Aufgrund dieser falschen Annahme montierte ich das Schloss, stellte aber nach erfolgter Montage schnell fest, dass bei angestecktem Schloss das Fahrzeug nicht mehr verriegelte. Zunächst suchte ich die Fehlerursache im Sicherungskasten, konnte hierbei jedoch nichts ausfindig machen. Dann schloss ich das Schloss manuell und versuchte es erneut – Fehlanzeige. Es rührte sich nichts. Indes war man sich im Internet auf meine Nachfrage recht uneinig – einer meinte, dass das Neuteil defekt wäre. Ein anderer erwähnte Kabelbrüche im Kabelkanal unter der A-Säule.

Ich bestellte daraufhin das Systemschloss der Fahrerseite Nr. 3 – diesmal von eBay, ein angeblich neues Originalteil der Firma Kiekert AG mit gleicher Teilenummer wie das VEMO-Ersatzteil.

Schloss Nr. 3 öffnet, aber Fahrzeug schließt wieder nicht

Voller Tatendrang schloss ich nun das dritte Schloss an und versuchte das Fahrzeug bei angestecktem Schloss zu verschließen – Fehlanzeige. Das Schloss schließt wieder nicht. Nun recherchierte ich zunächst die Pinbelegung des 7-Pin Anschlusses (Bezeichnung X747) für das Schloss der Fahrerseite.

1 – unbelegt wie am Stecker
2 – ein Schalter zum Fußraummodul hin
3 – Masse für 2, 4 und 5
4 – ein Schalter zum Fußraummodul hin
5 – ein Schalter zum Fußraummodul hin
6 – ein Stellmotor
7 – Masse für 6 und 8
8 – ein Stellmotor

Mit einem Multimeter begann ich nun also die einzelnen Pins durchzumessen, jedoch ohne nennenswerte Erfolge oder Erkenntnisse. Im nächsten Schritt steckte ich den 7-Pin Anschluss des Schlosses schräg an, sodass die Pins 2-5 keinen Kontakt, die Pins 6-8 für die Stellmotoren aber verbunden waren – siehe da: Das Fahrzeug schließt.

Mit der erworbenen Kenntnis, dass es einer oder mehrere der drei Schalter auf den Pins 2, 4 und 5 sein müssen, die das Fahrzeug vom schließen abhalten, fiel mir ein, dass ich den Bügel im Schloss gar nicht auf die „geschlossen“ Position gesetzt hatte, was im nicht eingebauten Zustand notwendig zu sein scheint, damit der jeweilige Mikroschalter im Schloss auch ein entsprechendes Signal weitergeben kann. Schloss im Bügel auf „geschlossen“ gedrückt – siehe da: Das Fahrzeug schließt.

Drittes Schloss eingebaut – Funktionstest: Das Fahrzeug schließt.

Fazit

Im Fazit bleibt zu sagen: Auch Neuteile können Defekte aufweisen. In diesem Fall ist das Neuteil von VEMO scheinbar im Bereich eines Mikroschalters defekt, sodass das Fußraummodul (kurz FRM) nicht registriert, wenn das Schloss sich der abschließbaren Position (Tür geschlossen) befindet.

Dank des häufigen Ein- und Ausbaus des Schlosses bin ich nun relativ trainiert, das Schloss durch den engen Spalt in der Tür heraus zu manövrieren – aber nur auf der Fahrerseite.

Dennoch wüschte ich, dass die von BMW verbauten Schlösser langlebiger wären. Weder an unserem Renault, noch am Toyota Prius noch am Toyota Avensis war eine derartige Reparatur bislang notwendig. Jedoch ist fraglich ob der Schaden nicht etwa durch Selbstverschulden (Stichwort „Talkum-Spray“) verursacht oder zumindest beschleunigt wurde.

Interpretiere ich die Datumsstempel und Aufdrucke der Schlösser korrekt, so stammt:

  • das defekte Originalteil aus 03/2008 (Hersteller: Brose Fahrzeugteile SE & Co. KG)
  • das defekte, neue Ersatzteil aus 06/2019 (Hersteller: VIEROL AG, Marke VEMO)
  • das funktionierende Originalteil aus Q1 2021 (Hersteller: Kiekert AG)

Zum Abschluss noch eine schlechte Nachricht für die, welche das Schloss-Problem mit einem der neueren Schlösser haben. Betrachtet man das neuere Schloss mit der Teilenummer 51217202143 im Bereich des Hebels für den Türverriegelungspin genauer, stellt man fest, dass dieses Schloss (am Beispiel Kiekert) keine Öffnung mehr hat und die Zahnräder im Inneren daher notfalls auch nicht mehr mittels Schraubendreher erreichbar oder drehbar sind. Ohje, ohje.

Bleiben wir gespannt, wie es mit den Schlössern weiter geht…

BMW 318i E91

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