27.09.2020

Mal ausprobieren, welcher läuft und läuft und läuft und läuft...

Sucht man nach 7-Sitzer SUV’s, denkt man wahrscheinlich nicht unmittelbar an Lexus. Das liegt auch daran, dass Lexus ein solches Fahrzeug bis kürzlich nicht im Angebot hatte. Diese Niche wurde nun jedoch mit dem RX450hL, der 7-Sitzer-Version des RX, gefüllt. Dieser Artikel stellt die deutsche Übersetzung des Artikels „TEST: Lexus RX450hL Omotenashi“ unserer Partnerseite Swiataut.net dar.

Anders als bei der Konkurrenz oft gesehen, wurden die zusätzlichen Sitze nicht im jeden Preis in die Karosserie des RX gepresst. Stattdessen wurde der RX um 11 Zentimeter verlängert und die Form des Hecks so verändert, dass die Heckscheibe in einem steileren Winkel zum unteren Teil der Heckklappe steht. Seitlich betrachtet, stört das zwar die ursprüngliche Form des RX, lässt den RX450hL jedoch auch ehrwürdiger und stärker erscheinen.

An der Front gibt es keine Unterschiede – ein großer Lexus-typischer Spindelgrill, L-förmige LED-Streifen in den Scheinwerfern sowie große 20 Zoll Leichtmetallfelgen in weiten und hohen Radkästen.

Am Interiour gab es außer der hinzugefügten Sitzreihe keine Änderungen. Lexus-typisch sind Materialien und Ausstattung hochwertig. Schade, dass das Infotainment-System auch keine Änderungen erfahren hat und damit etwas altbacken daher kommt.

Die großen Vorteile des Interiours des RX450hL sind Platz und Komfort. Fahrer und Beifahrer haben ringsherum viel Platz und sehr komfortable Sitze. Diese sind elektrisch verstellbar, ventiliert und beheizt.

In der zweiten Reihe wiederholt sich das Bild – reichlich Platz, die seitlichen Sitze der zweiten Reihe sind zudem beheizt, verschiebbar und die Rückenlehnen im Neigungswinkel einstellbar.
Selbst sehr große Personen werden sich im Fond wohlfühlen. Ist die Armlehne der zweiten Sitzreihe „aktiviert“, bieten sich für die Passagiere zwei Getränkehalter sowie zwei USB-Buchsen zur Stromversorgung.

In der dritten Reihe, wie bereits angekündigt, zwei weitere Sitze. Besonderheit: Sie entfalten sich nach Knopfdruck auf links im Kofferraum gelegene Knöpfe.
Das Ziel der Ingenieure war, in der dritten Reihe ein vergleichbares Level an Komfort zu bieten wie im restlichen Fond. Teilweise ist dies gelungen – die Sitze sind vergleichbar komfortabel und die dritte Klimatisierungs-Zone mit ihrer Steuerung nahe der Sitze sorgt für Kühlung/Heizung auch in der dritten Reihe.
Prinzipbedingt sind die Sitze der dritten Reihe relativ nah aneinander positioniert. Der Fußraum ist etwas eng. Mit einer Größe von 184 cm berührt man unter Umständen den Dachhimmel und längere Strecken werden nur schwer vorstellbar. Kleinere Personen und Kinder haben es in der dritten Reihe etwas einfacher.
Wird die Sitzreihe nicht benötigt, bietet der Kofferraum 652 Liter.

Der Lexus RX 450hL ist, wie auch der RX 450h in nur einer Motorenkombination bzw. -variante erhältlich. 3,5 Liter V6 gekoppelt mit zwei unterschiedlich starken Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse (68 PS vorne, 167 PS hinten). Die Systemleistung beträgt so 313 PS und das Systemdrehmoment 335 Nm. Die Kraftübertragung passiert Toyota-Hybrid-typisch über ein stufenloses e-CVT-Getriebe.
Die etwa 2,2 Tonnen des RX450hL werden mit dieser Antriebskombination in 8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Die Limiterung der Geschwindigkeit erfolgt bei 180 km/h.

Auch wenn es die Höchstgeschwindigkeit nicht unbedingt erahnen lässt, der RX450hL ist auf Autobahn und Schnellstraßen genau in seinem Element. Er ist robust und sehr dynamisch. Die Fahrgastzelle ist so gut abgeschirmt, dass Insassen nahezu vollständig von äußeren Geräuschen abgeschirmt sind. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten kann man nur schwer den Motor oder Windgeräusche vernehmen. Lediglich Rollgeräusche der Reifen waren vernehmbar, wobei das ein prinzipbedingtes Problem der Winterbereifung des Testfahrzeuges sein dürfte.

Der Fahrer hat die Wahl zwischen insgesamt 5 (mit EV-Modus 6) Fahrmodi, welche über einen Knopf auf der Mittelkonsole wählbar sind:

  • ECO – Kraftstoffersparnis ist Priorität, Leistung wird untergeordnet
  • Normal – Für komfortables Reisen und gute Dynamik
  • Sport S – Das Gaspedal wird sensibler, das Antriebssystem reagiert zügiger auf Änderungen des Fahrverhaltens
  • Sport S + – – Fahrwerk und Lenkung werden straffer und sind auf maximale Leistung eingestellt
  • Customized mode – Der Fahrer kann für diesen Modus bestimmte, freiwählbare Voreinstellungen hinterlegen

Unser Testfahrzeug legte die meiste Strecke im „Normal“-Modus zurück, da das Fahrzeug damit ausreichend dynamisch und komfortabel zu fahren ist. Für einige Fahrer könnte der einzige Nachteil des „Normal“-Modus die zu leichte Lenkung sein.

Da der Lexus RX450hL nunmal ein Hybrid-Fahrzeug ist, noch ein besonderes Augenmerk auf den EV-Modus. In diesem Modus, welchen sämtliche Hybrid-Fahrzeuge von Toyota/Lexus bieten (darunter auch unser Prius 3) und welcher nur bei genügend Batterieladung aktivierbar ist, fährt der RX450hL vollelektrisch. Dies ist bei Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h und entsprechend sanfter Gaspedal-Bedienung möglich. Wird das Gaspedal zu tief getreten, wird der EV-Modus de- und damit der Verbrennungsmotor aktiviert.

Im Stadtgebiet und insbesondere bei Parkmaneuvern zeigt der RX450hL nicht seine beste Seite. Er ist 5 Meter lang und fast 1,9 Meter breit. Es kann dauern, bis ein geeigneter Parkplatz auftaucht. Die Sichtbarkeit nach vorn ist gut, nach hinten jedoch unzureichend. Glücklicherweise helfen die 360 Grad Kameras beim einparken. Die Bildqualität dieser ist gut.
Beim RX450hL erfolgt der Parkvorgang jedoch noch manuell vom Fahrer, was bei Deutschen Premiumfahrzeugen mit automatischem Parksystem nicht mehr sein muss.

Was verbraucht der RX450hL? Das hängt wie immer stark vom Fahrstil des Fahrers ab. Bei schnellen Fahrten auf der Autobahn sind zwischen 12 und 13 Liter pro 100 Kilometer für das „fahrende Wohnzimmer“ notwendig.
Fängt man an, sich an den speziellen Bedienstil, den ein Toyota/Lexus Hybrid fordert, zu gewöhnen, sinkt der Verbrauch auf 10 bis 10,5 Liter. Im Stadtgebiet spielt der RX450hL dann die Stärken seines Antriebskonzepts aus und verbraucht zwischen 7,5 und 8,5 Litern. Nach einer Woche und über 1500 Kilometern, von denen ca. die Hälfte auf Schnellstraßen zurückgelegt wurden, lag der Durchschnittsverbrauch bei 9,5 Litern. Für ein 5-Meter SUV mit 2,2 Tonnen Gesamtmasse, ist das ein gutes Ergebnis.

Der RX450hL beginnt preislich bei 67.000€, das Topmodell, die „Luxury Line“ startet bei 79.800€. Der RX450hL im Test, die Ausführung „Omotenashi“ (ein japanisches Gastfreundschafts-Konzept) bot neben Head-Up Display und elektrisch betätigtem Schiebedach auch ein beheiztes Lenkrad.

Pro:

  • starker, ehrwürdiger Auftritt
  • sehr gute, adaptive Frontscheinwerfer
  • satte Ausstattung
  • viel Platz im Interiour „fahrendes Wohnzimmer“
  • hoher Reisekomfort
  • hohe Qualität der Materialien des Interiour
  • sehr gut gedämmte Fahrgastzelle
  • Platz für 7 Personen
  • 360 Grad Kameras für leichteres Parken und Maneuvrieren
  • großer Kofferraum
  • gute Leistungswerte
  • akzeptabler Verbrauch

Contra:

  • ein leicht veraltetes Multimedia-System
  • die dritte Reihe ist nur bedingt für größere Personen geeignet
  • keine Massage-Sitz-Option zubuchbar
  • kein aktiver Parkassistent
  • im Fahrmodus „Normal“ bietet das Lenkrad wenig Widerstand (subjektiv, je nach persönlichem Empfinden kann das ein Vorteil sein)
  • erheblich höherer Preis gegenüber der 5-Sitze-Version

Technische Daten sind im ursprünglichen Artikel (polnisch) zu finden.
Der Test erfolgte im Zeitraum vom 4.02. – 11.02.2019 und es wurden 1500 Kilometer zurückgelegt.

Text: Piotr Zaleski / SA
Bilder: Agencja10,5
Übersetzung: autotagebuch.net

Tests

One thought on “Lexus RX450hL Omotenashi im Test”

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