05.08.2020

Mal ausprobieren, welcher läuft und läuft und läuft und läuft...

In den letzten zwei Jahren haben wir bereits die derzeitige Generation von Renault Scenic und Renault Grand Scenic getestet. Beide Fahrzeuge beherbergten das 1.6 dCi Diesel-Aggregat mit 130 PS und ein manuelles Schaltgetriebe. Dieser Artikel stellt die deutsche Übersetzung des Artikels “TEST: Renault Grand Scenic BOSE TCe 160 EDC” unserer Partnerseite Swiataut.net dar.

Die letztjährliche Einführung des WLTP-Zyklus und die damit einhergehende Verwirrung, bedeutete für viele Hersteller Nacharbeit an deren Motorenpaletten. Als Resultat verschwand der 1.6 dCi Dieselmotor als auch der 1.2 TCe Benzinmotor. Neue Maschinen wurden an deren Stelle eingeführt – der 1.7 dCi Dieselmotor mit 120 und 150 PS sowie der 1.3 TCe Benzinmotor mit 140 und 160 PS. Letzterer wurde mit dem EDC Doppelkupplungsgetriebe in unserem Test-Grand Scenic verbaut.

Dieser vergleichsweise kurze Test wird keine Abhandlung über das äußere Erscheinungsbild des Grand Scenic der vierten Generation. Vielmehr soll der Fokus auf Antriebsstrang und Handling des 7-Sitzers liegen.

Der 1.3 TCe ist ein frischer, moderner Motor, entwickelt von der Renault-Nissan Allianz in Kooperation mit Daimler. Der Reihenvierzylinder mit einem Hubraum von 1333 Kubikcentimetern leistet im Scenic und Grand Scenic 140 oder 160 PS und ist mit einem Partikelfilter ausgestattet. Der Motor kommt bereits in unterschiedlichen Modellen von Renault, sowie Nissan (Qashqai und X-Trail) aber auch in der neuen A-Klasse von Mercedes zum Einsatz.

Beide Motoren können im Scenic oder Grand Scenic mit einem 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden. Im Falle unseres Testwagens eine gelungene Kombination. Unter normalen Fahrbedingungen wechselt das Getriebe unmerklich und schnell die Gänge in beiden Richtungen. Bei schärferen, abrupten Beschleunigungsmenövern und Vollbremsungen verliert sich das Getriebe manchmal. Während die Reaktion auf Erhöhungen des Gaspedaldrucks etwas auf sich warten lassen, bleibt das Getriebe in manchen Situationen in zu niedrigen Gängen und erzeugt damit einen unter Umständen unnötigen Geräuschpegel. Hier sei jedoch gesagt, dass es sich um eine Phase im Lernprozess der Automatik handeln kann.

Trotz des Fakts, dass die Kabine gut abgeschirmt wurde, sind die leichte Motorgeräusche nahezu ständig zu hören. Bei einer dynamischen Fahrweise sind die Geräusche etwas lauter und möglicherweise anstrengend für des Fahrers Ohr.

Das Aggregat erzeugt 160 PS bei 5500 Umdrehungen pro Minute. Das maximale Drehmoment von 270 Nm liegt ab 1800 Umdrehungen pro Minute an. Damit gelangt der voluminöse Wagen von 0 auf 100 in 9,2 – 9,3 Sekunden. Dieser Wert scheint nicht besonders, ist jedoch von keinem anderen Aggregat der 1., 2., 3. oder 4. Generation zu unterbieten bis auf den 160 PS 2.0 dCi der 3. Generation – und selbst hier fehlen nur ~0,2 Sekunden.

Auch der Verbrauch kann sich sehen lassen. Bei normaler, ruhiger Fahrt zwischen 90 und 100 lag der Verbrauch bei 6 Litern. Höhere Geschwindigkeiten von 140 resultierten in 8,3 – 8,5 Litern. Stadtverkehr in 8,5 – 9 Litern. Über den gesamten Test und die fast 900 gefahrenen Kilometer lag der Durchschnittsverbrauch bei 8,1 Litern. Ein akzeptabler Wert für ein solches 1,6 Tonnen schweres 7-Sitzer-Fahrzeug mit vergleichsweise schlechtem cw-Wert und hubraumschwachem Aggregat.

Der einzige wirkliche Haken – das Start&Stop-System. In den letzten sieben Jahren testeten wir über 130 Fahrzeuge, die große Mehrheit aufgestattet mit Start&Stop-Systemen. Während es möglich war, die Eigenarten der einzelnen Systeme zu lernen und sich daran zu gewöhnen, würden wir das Verhalten des Systems im Grand Scenic als störend bezeichnen. Das System war in der Lage, den Motor im jeweils ungünstigsten Moment abzuschalten, beispielsweise bei einem festeren Bremsvorgang vor einem 1-2 Sekunden langen stopp an einem grünen Pfeil oder bei Parkmaneuvern. Der Motor, welcher zwar schnell abschaltete, benötigte später umso länger um wieder zu starten. Die Benutzung des Systems resultierte daher auch in zu hohem Anfahrgas und leicht rutschenden Reifen, da man als Benutzer in manchen Momenten automatisch das Pedal tiefer tritt und sich davon einen schnelleren Start erhofft, was selbstverständlich nicht möglich ist.

In einer Situation entschieden wir uns dann, die Start&Stop-Automatik gänzlich zu deaktivieren: Bei einem Parkmaneuver in einer engen Lücke baten wir unsere Mitfahrer auszusteigen bevor wir das Fahrzeug in die Lücke steuerten. Beim anhalten schaltete die Start&Stop-Automatik folgerichtig ab. Die Mitfahrer stiegen aus, einer von ihnen schloss jedoch die Tür nicht richtig. Ein Warnton und die Meldung „The door opened! Switch off the ignition!“ erschien und das System gestattete keinen Start des Motors bis die Tür korrekt geschlossen war. Anmerkung: Unter Umständen ist diese Art des Mitdenkens des Fahrzeugs für ein bestimmtes Clientel hilfreich und sinnvoll – in unserem Fall war es eher anstrengend.

Wie sind die Fahreigenschaften des Grand Scenic? Recht gut. Die Federung ist relativ elastisch und auf Komfort ausgelegt. Gleichzeitig jedoch fest genug um bei Kurvenfahrt keine zu große Neigung zu erreichen. Erstaunlich gut verhält sich der Grand Scenic bei ungleichmäßigen Straßenverhältnissen und Löchern, selbst mit 20 Zoll-Felgen. Das Lenksystem ist nicht sehr direkt, aber in Ordnung. Das Fahrzeug gehorcht dem Fahrer und strahlt ein hohes Selbstbewusstsein in Kurven aus. Während der Fahrt sollte man, sich daran gewöhnen, das Seitenwinde einen höheren Einfluss auf das Fahrverhalten haben können als bei einem Durchschnitts-Kombi oder einer Durchschnitts-Limousine, allein wegen der großen „Angriffsfläche“, welche der Grand Scenic hier bietet.

Eine ganze Armada elektronischer Assistenten sorgen sich um Komfort und Sicherheit der Passagiere. Den Fokus zog dabei der Spurassistent mit aktiver Geschwindigkeitsregelanlage auf sich: Nachdem das System aktiviert war, hielt das System das Fahrzeug in der entsprechenden Spur und fragte hin und wieder nach der manuellen Übernahme durch den Fahrer. Sofern man sich einem Spurstreifen nährte, vibrierte das Lenkrad. Folgte hierauf keine Reaktion, korrigierte das System den Kurs selbstständig. Das System verhielt sich sanft und besser als in einigen anderen, teureren Fahrzeugen (z. B. im Lexus RXL).

Der Preis des Renault Grand Scenic der vierten Generation beginnt bei 24.890€ – hierfür erhält man die Serienausstattung gepaart mit dem 115 PS 1.3 TCe-Antrieb und einem manuellen Schaltgetriebe. Unser Test-Grand Scenic liegt beginnt bei 33.190€ für den 160 PS 1.3 TCe-Antrieb und das EDC-Doppelkupplungsgetriebe.

Der 1.3 TCe 160 im Grand Scenic ist eine gute Wahl, welche Erlaubt stressfrei und effizient zu reisen. Er ist etwas laut, verbraucht jedoch eine moderate Menge Kraftstoff. Die Funktionsweise des Start&Stop-Systems ist der einzige wirkliche Nachteil, jedoch kann das Start&Stop-System vergleichsweise einfach abgeschalten werden.

Pro:

  • gute Leistung
  • dynamischer und flexibler Motor
  • akzeptabler Verbrauch
  • gutes, sanftes Doppelkupplungsgetriebe
  • gut abgestimmtes Fahrwerk
  • stabile Fahreigenschaft
  • zahlreiche elektronische Assistenten

Contra:

  • lauter Motor
  • schlecht abgestimmtes Start&Stop-System
  • bei dynamischer Fahrweise zu spätes hochschalten des Getriebes (unnötige Geräuschkulisse durch hohe Drehzahlen)
  • stark spürbare Wirkung von Seitenwinden

Technische Daten sind im ursprünglichen Artikel (polnisch) zu finden.
Der Test erfolgte im Zeitraum vom 27.02. – 6.03.2019 und es wurden 997 Kilometer zurückgelegt.

Text: Piotr Zaleski / SA
Bilder: Agencja10,5
Übersetzung: autotagebuch.net

Tests

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.