30.10.2020

Mal ausprobieren, welcher läuft und läuft und läuft und läuft...

In der Vergangenheit hatte unsere Partnerseite mehrfach die Möglichkeit, unterschiedliche Renault Clio zu testen. Dazu zählte unter anderem der Clio R. S. Trophy. Zudem besaßen die Redakteure mindestens einen Clio mal selbst. Sie bezeichnen sich als Clio-Enthusiasten. Als die ersten Fotos des Clio der fünften Generation bekannt wurden, konnten sie schon nicht mehr still sitzen. Nun war also am 13.11. der Tag gekommen, der Clio als Intens 1.0 TCe 100-Ausführung durfte für 5 Tage getestet werden. Dieser Artikel stellt die deutsche Übersetzung des Artikels “TEST: Renault Clio Intens 1.0 TCe 100” unserer Partnerseite Swiataut.net dar.

Von Generation zu Generation wurde der Clio in seinem äußeren Erscheinungsbild verbessert. Es gab keinen akuten Fall der „Verschlimmbesserung“ den man bei Modellen wie dem Skoda Octavia III (vorher/nachher) oder dem Ford Scorpio (vorher/nachher) wahrnehmen konnte – gut, alles subjektiv.
In Relation zur Vorgängergeneration wurden hauptsächlich stilistische Änderungen an der Front und am Hack vorgenommen, die seitliche Linie blieb nahezu identisch.

Die Front des neuen Clio wird dominiert von Full-LED Scheinwerfern deren C-Form man schon vom Talisman und Megane der neuesten Generation kennt. Der neue Clio kommt mit diesen LED-Scheinwerfern, welche eine sehr gute Leuchtleistung bieten, bereits in der Serienausstattung. Einen kleinen, aber in dieser Fahrzeugklasse wirklich minimalen Wermutstropfen gab es: Die Funktion zum automatischen auf- und abblenden ist nicht dabei.
Glücklicherweise fiel unser Test auf eine Woche, die geprägt war von starker Bewölkung und viel Regen – das klingt zwar paradox, gab uns allerdings die Möglichkeit die Beleuchtungseinrichtungen einem ausgiebigen Härtetest zu unterziehen, welchen sie mir Bravur bestanden. Zusätzlich zu den Full-LED Scheinwerfern birgt der Clio der fünften Generation Nebelscheinwerfer mit Kurvenfunktion, was insbesondere im dunklen Stadteinsatz hilfreich ist und im Laufe der Zeit in Kombination mit den restlichen Sicherheitseinrichtungen sicher einige Leben von Radfahrern und Passanten retten wird.

Das Heck wurde gegenüber der vierten Generation etwas sanfter gestaltet. Die scharfen Kanten um die Heckleuchten entfielen, wie auf den ersten Blick auch der Heckklappenöffner. Der Clio der fünften Generation besitzt nun größere Rücklichter, welche fast ausschließlich (die Blinkleuchten sind Standard-Leuchtmittel) mit LED-Leuchtmitteln bestückt sind.
Der Stoßfänger wurde vergrößert und der Heckklappenöffner in ihm, über dem Kennzeichenhalter, eingelassen. Eine unglückliche Position – der Heckklappenöffner wird hier bei schlechtem Wetter fast immer stark verschmutzt. Unterhalb des Stoßfängers findet sich der Auspuff, welcher hier nicht nur Atrappe ist, wie mittlerweile gängig.

Wie schon erwähnt, wurde die seitliche Linie seit dem Clio der vierten Generation nur minimal verändert. Die hinteren Türgriffe befinden sich weiterhin in der C-Säule, lediglich deren Design hat sich minimal verändert.
Während der Trend eher hin zur Vergrößerung von Fahrzeugen geht, ist der Clio minimal in seiner Länge geschrumpft (4,062 m auf 4,05 m für den kurzen Clio). Dafür wurde der Radstand vergrößert – das hat in meinen Augen gleich zwei positive Effekte: Der Clio wurde beim fahren komfortabler, aber gleichzeitig wendiger.
In 10 Farben ist der neue Clio verfügbar – unser Testfahrzeug hatte hier die äußerst auffällige (meiner Meinung nach im positiven Sinne) Farbe „Aquamarin-Blau“ („Celadon Blue“), welche für einen Aufpreis von 500€ sorgt. In unserer Testausführung „Intens“ steht der Clio auf 16 Zoll Leichtmetallrädern, 17 Zoll Leichtmetallräder gibt es optional für etwa 400€.

Das Interieur des Clio hat große Veränderungen erfahren. Das Armaturenbrett erhielt einen neuen, sehr viel moderneren Look. Qualitativere Materialien fanden ihren Weg in den Kleinwagen. Viele Materialien sind nun weicher und fühlen sich entsprechend wertiger an. Nähte und Übergänge sind von hoher Qualität – Renault zeigt hier, dass diese gefühlte Qualität auch im B-Segment zu akzeptablen Preisen möglich ist.
Während der Fahrt ist es ruhig im Innenraum. Die Zwei-Farben-Strategie im Innenraum geht ebenfalls auf, Kontraste sind sinnvoll und bedacht gesetzt.
Der Nachteil der weißen Applikationen: Sie setzten bereits im Testfahrzeug etwas Staub und Schmutz an – regelmäßige Pflege wird hier notwendig sein.

Viele Jahre hat Renault die Steuerung für Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer zwischen Mittelkonsole und Lenkrad aufgeteilt. Die Lenkradsteuerung war ein Segen, da sie ohne Verrenkungen erreichbar war. Es war hier nichtmal der Griff hinter das Lenkrad notwendig, wie bei vielen anderen Fahrzeugen. Die Schalter zum aktivieren und deaktivieren der Systeme jedoch fanden sich oft auf der Mittelkonsole, was beim fahren dazu führen konnte, dass man länger den Blick senkte als man vielleicht sollte. Dieser Punkt wurde nun behoben, im neuen Clio findet sich die gesamte Steuerung am Lenkrad. Zusätzlich bietet das Lenkrad Knöpfe für die Sprachsteuerung, das Telefon und den Bordcomputer. Die Mittelkonsole beherbergt nunmehr nur noch den Griff für die elektronische Handbremse mit Autohold-Funktion.
Die Lenkradsteuerung für das Entertainment-System wurde leicht überholt, befindet sich aber weiterhin an ihrem Stammplatz – Süd-Westlich hinter dem Lenkrad. Die Lautstärke ist nun mit Knöpfen zu steuern, die Räder hierfür entfallen.

In der Intens-Ausführung ist der Clio mit einem 7 Zoll Farbbildschirm als Kombiinstrument ausgestattet, welcher exzellente Bildqualität bietet und Geschwindigkeit, Motordrehzahl, diverse Daten vom Bordcomputer sowie den Assistenzsystemen anzeigt. Tankanzeige und Kühlmitteltemperatur werden neben dem Bildschirm angezeigt.

Der Hauptbestandteil des Infotainments jedoch besteht aus dem 9,3 Zoll großen Touchscreen, welcher horizontal auf der Mitte des Armaturenbretts befestigt wurde. Das neue Multimediasystem von Renault heißt nun Easy Link und ersetzt das alte R-Link-System welches seinerzeit für etwas negative Kritik sorgte.
Easy Link ist simpler aufgebaut und intuitiver in der Anwendung. Die Navigation durch das Menü und individuelle Anwendungen funktioniert schnell und stressfrei.
Der Bildschirm hat eine hohe Auflösung und Bildqualität und bietet sehr gute Reaktionszeiten. Easy Link beinhaltet TomTom Navigation mit Live-Diensten, welche Staus und Behinderungen abrufen und anzeigen. Weiterhin bietet das System Wetterinformationen, Radioeinstellungen und Bluetooth für Musikwiedergabe und Telefoniefunktionen. Außerdem bietet das System USB-Anschlüsse und einen AUX-Anschluss. Zudem ist Easy Link kompatibel mit Android Auto und Apple Carplay.

Unter „Easy Link“ finden sich Knöpfe für Sitzheizung, 360°-Kamerasystem, Multi Sense-System und ein Panel für die Klimasteuerung. In anderen Testberichten findet man hier negative Kritik, da dieses Panel baugleich mit dem des Dacia Duster ist. In unseren Augen ist das kein Minuspunkt – denn die Steuerung sieht modern sowie robust aus und fühlt sich auch so an.

Dank des vergrößerten Radstands konnte die Fahrgastzelle etwas vergrößert werden. Jedoch muss man trotz der Größe des Clio immer wieder daran erinnert werden, dass er dem B-Segment angehört. Entsprechend fällt das Platzangebot aus – während für Fahrer und Beifahrer genügend Platz ist, ist die Rückbank eher für seltene Transporte kleinerer Personen gedacht – ab 1,80 m wird es eng. Große Personen werden sich mit dem geringen Platz für ihre Beine arrangieren müssen.
Glücklicherweise sind die Sitze bequem und mit Leder bezogen, welches jedoch etwa mit 1000€ Aufpreis zu Buche schlägt. Die vorderen Sitze bieten eine Sitzheizung, welche im Paket mit einer Lenkradheizung für etwa 250€ Aufpreis erhältlich ist.

Der Inhalt des Kofferraums ist um 91 Liter gestiegen. Er bietet einen doppelten Boden, unter welchem ein vollwertiges Ersatzrad und ein Werkzeugset zum Radwechsel befindlich sind. Die Ladekante ist vergleichsweise hoch. Auf der linken Seite befindet sich ein BOSE Subwoofer, welcher in Verbindung mit dem 9,3 Zoll Infotainmentsystem für etwa 625€ Aufpreis enthalten ist.

Ein bequemes und tolles Fahrerlebnis geht schon vor der Fahrt los – daher bietet der Clio, wie auch schon mein damaliger Megane 2, ein Keyless-System bei dem sowohl der Einstieg als auch der Start des Motors erfolgen kann ohne, dass ein Schlüssel betätigt werden muss. An diesem „Hands Free“-System scheint sich auch lange nichts verändert zu haben – unserer Meinung nach ist die Reichweite des Systems zu gering. Nach dem Ausstieg schließt dieses zu schnell, selbst wenn man noch sehr nah am Fahrzeug ist, weil man zum Beispiel plant, Dinge aus dem Kofferraum zu nehmen.

Da der Clio generell ein Leichtgewicht ist, fällt auch die Motorenpalette entsprechend aus. In Deutschland gibt es ihn als 1,0 Liter TCe 100, also mit 100 PS und als 1,3 Liter TCe 130 mit 130 PS. Den Dreizylinder Saugmotor als SCe 65 also mit 65 gibt es in Deutschland derzeit nicht, da er nur in der LIFE-Variante verbaut wird, welche Stand heute im Konfigurator nicht verfügbar ist. Den SCe 75 Saugmotor mit 75 PS hingegen gibt es als Basismotor der „EXPERIENCE“-Ausstattung.
Die Dieselmotoren „Blue dCi 85“ und „Blue dCi 115“ sind derzeit nicht konfigurierbar.

Unser Testfahrzeug war mit dem 1.0 TCe 100 ausgestattet, welcher ein Drehmoment von 160 Nm ab 2750 Umdrehungen bietet. Dieser Motor ersetzt den bekannten 0.9 TCe 90, wie man ihn unter anderem im Smart und unterschiedlichen Dacia-Modellen findet. Das neue Aggregat macht sich gut im Clio – der Sprint von 0 auf 100 liegt bei 11,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit bei 187 km/h. Der Motor ist leise, was teils in der nicht vorhandenen Direkteinspritzung begründet sein dürfte und gibt sich mit geringen Mengen Kraftstoff zufrieden. Der Dreizylinder ist zudem äußerst laufruhig. Als ich vor nunmehr 4 Jahren den Clio der vierten Generation als 1.5 dCi mit 90 PS fuhr war ich erstaunt ob seiner Spritzigkeit, die selbstverständlich in der Paarung des geringen Fahrzeuggewichts mit dem hohen Drehmoment des Motors begründet war.

Die Übersetzung bewerkstelligt ein manuelles 5-Gang Getriebe. Fraglich war hier, ob man den 6. Gang vermissen würde, jedoch beantwortete eine Probefahrt diese sehr schnell: Im 5. Gang liegt die Drehzahl bei 90 km/h bei 2000 Umdrehungen, bei 140 km/h bei 3100. Eines 6. Gangs bedarf es hier nicht, das weniger komplexe 5-Gang Getriebe reicht unserer Meinung nach aus.
Trotzalledem mag der kleine Dreizylinder keine niedrigen Drehzahlen – unter 2000 Umdrehungen ist ein kleines Turboloch spürbar, bis 2000 Umdrehungen hört man deutlich, dass es sich um einen Dreizylinder handelt. Ab 2000 nimmt er dann bereitwillig an Fahrt auf, was in einem vernünftigen Sprint von 90 auf 120 km/h resultiert. Überholmanöver sind somit kein Problem.
Der Schaltknauf ist recht lang und legt bei den Schaltvorgängen vergleichsweise lange Wege zurück, was seiner Präzision etwas schadet, woran der Fahrer sich aber recht schnell gewöhnt haben dürfte.
Der Verbrauch liegt laut Hersteller kombiniert bei 5,1-5,3 Litern Super. In unserem fast 1000 Kilometer langen Test lag der Durchschnitt bei 5,8 Litern. Ein guter Wert.

Hinterlässt der neue Clio doch einen selbstbewussten und berechenbaren Eindruck, nicht zuletzt durch die wenig unterstützende Lenkung. Das kann je nach Anwender als positives oder negatives Merkmal ausfallen. Je nach Wegeprofil merkt man am Lenkrad wo man gerade unterwegs ist.
Das Fahrwerk ist komfort-orientiert, verhält sich aber entsprechend weich auch bei Kurvenfahrt. Mit Unebenheiten auf der Straße kann es gut umgehen.
Auch im Clio bekommt der Fahrer die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Fahrmodi zu wählen: My Sense, Sport und Eco. Die meiste Zeit waren wir im „My Sense“-Modus unterwegs, welcher stark auf des Fahrers Bedürfnisse angepasst werden kann, u. a.:

  • Layout der Instrumente
  • Intensität der Lenkkraftunterstützung
  • Farbe und Intensität der Innenraumbeleuchtung

Im „Sport“-Modus reagiert der Motor schneller auf Eingaben am Gaspedal und das Lenkrad gibt mehr Widerstand. Im „Eco“-Modus wird die Leistung etwas gedrosselt, dieser ist der Spritsparmodus.

Noch einige Worte zu einem meiner Lieblingsthemen, dem Euro NCAP Crashtest: Hier perfomt der Clio äußerst gut (bester seiner Klasse, Klasse „supermini“ oder auch B-Segment), was für mich eines der signifikantesten Kaufargumente ist. Seit der vierten Generation wurde die Sicherheit noch weiter verbessert, sodass die Bewertung „Erwachsener“ von 89% auf 96% und die Bewertung „Gefährdeter Straßennutzer“ von 66% auf 72% gesteigert wurde. Interessenten empfehle ich den Report zum Crashtest unter als auch das Crashtestvideo auf YouTube.

Die Preise beginnen bei 15.240€ für die „EXPERIENCE“-Ausführung mit SCe 75-Motor und enden bei ungefähr 27.600€ für die voll ausgestattete „EDITION ONE“ mit TCe 130-Motor und EDC-Doppelkupplungsgetriebe.

Der neue Clio der fünften Generation befriedigt alle an ihn gestellten Ansprüche. Man sieht, dass Renault viele Dinge, die in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind, überarbeitet und verbessert hat. Dank der günstigen Preisgestaltung, der Ausstattung und des attraktiven Erscheinungsbildes vermuten wir, dass dieser Clio ein Bestseller wird.

Pro:

  • Attraktives Aussehen
  • Reich an Ausstattung (Full-LED Scheinwerfer in Serienausstattung)
  • Gutes Interieur, qualitative Materialien, hohe Passgenauigkeit
  • Neues Multimediasystem
  • Komfortable Armlehnen und Sitze
  • Vergrößerter Kofferraum
  • Gute Leistung
  • Hohe Sicherheitsstandards
  • Geringer Verbrauch
  • Komfortables Fahrwerk

Contra:

  • Heckklappenöffner verschmutzt leicht
  • Geringe Reichweite des „Hands Free“-Systems
  • Geringe Qualität der Rückfahrkamera trotz des sehr guten 9,3 Zoll Displays
  • Leichtes Turboloch unter 2000 Umdrehungen
  • Großer Schaltknauf mit langen Schaltwegen

Technische Daten sind im ursprünglichen Artikel (polnisch) zu finden.
Der Test erfolgte im Zeitraum vom 13.11. – 18.11.2019 und es wurden 980 Kilometer zurückgelegt.

Text: Piotr Zaleski / SA
Bilder: Agencja10,5
Übersetzung: autotagebuch.net

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