15.10.2019

Mal ausprobieren, welcher läuft und läuft und läuft und läuft...

What we know is a drop. What we don’t know is an ocean.”

deutsch: “Was wir wissen ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.

– Isaac Newton

Und deshalb ist es wichtig, Wissen, Erkenntnisse und Erfahrungen zu teilen und sich Fehler auch einzugestehen, damit alle daraus lernen können.

Einleitung

Im Sommer 2014 erwarb ich mein erstes eigenes KFZ. Damals, mitten in der Ausbildung, sah ich mich nicht in der Lage mein damaliges Wunschfahrzeug, ein VW Eos mit 2.0 TFSI, später 2.0 TSI und Automatikgetriebe zu erwerben. Stattdessen fand ich eine günstigere Alternative, die zwar kein VW war und auch weder Benzinmotor noch Automatikgetriebe bot, dafür aber vergleichsweise günstig, verbrauchstechnisch in Ordnung schien und vorallem ein Cabrio mit elektrischem Hardtop war.

Der Spaß war von kurzer Dauer. Nach etwa 30.000 Kilometern und 16 Monaten erlitt der Motor einen Totalschaden aufgrund eines defekten Turboladers. Für 1000€ verkaufte ich das Fahrzeug an einen Osteuropa-Exporteur, der es auf dem Parkplatz der Werkstatt sah.

Ein neues Fahrzeug musste her, diesmal etwas anderes. Mit Benzinmotor, ohne Turbolader. Es wurde der BMW 3er E91 318i, ein guter Kauf – seit über 3 Jahren und 119.000 Kilometern fahre ich diesen Wagen nun. Jedoch suchen auch ihn bestimmte konstruktionstechnische Mängel heim. Dazu später mehr.

Der Verbrauch

Verbräuche fallen bei einigermaßen normalen Fahrleistungen ins Gewicht. In meinem Fall sind das grob 35.000 – 40.000 Kilometer pro Jahr. Ein geeigneter Antrieb wäre ein Diesel- oder Benzin-Hybrid-Antrieb. Letzteres eher als ersteres, dazu später mehr.

Die Kalkulation hierzu ist ganz einfach: Die mit dem Toyota HSD (Hybrid Synergy Drive) Antrieb ausgestatteten Fahrzeuge weisen eine hohe Zuverlässigkeit bei niedrigem Kraftstoffverbrauch auf. In konkreten Zahlen sind das bei unserem Toyota Prius 3 4,6 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

4,6 l * 1,46 €

= 6,72 € / 100 Kilometer

Würde man den Prius nun mit einer Gasanlage ausstatten, die zum Schutz der Ventile kein Additiv, aber dafür 20% Benzin einspritzt, käme man auf etwa 1 Liter Benzin- und 4 Liter LPG/Autogas-Verbrauch pro 100 Kilometer.

1 l * 1,46 € + 4 l * 0,61 €

= 3,90 € / 100 Kilometer

Legen wir nun einen Fixpreis der Gasanlage von 2,500€ zugrunde, rechnet sich der Einbau bei der reinen Betrachtung des Kraftstoffverbrauchs und des Einbaus der Gasanlage bei nach etwa 90.000 Kilometern Fahrleistung:

Nach 200.000 gefahrenen Kilometern liegt eine Differenz von rund 3000€ vor. Das scheint nun verteilt auf 5 bis 6 Jahre nicht viel, jedoch fällt das mehr ins Gewicht wenn wir nun meinen BMW 3er E91 LCI 318i in die Kalkulation aufnehmen. Hierbei gehe ich wieder von einem Kraftstoffpreis von 1,46€ aus, der Verbrauch des BMW liegt im Mittel bei 7 Litern.

7 l * 1,46 €

= 10,22 € / 100 Kilometer

Oh! Nach etwa 40.000 Kilometern mit dem LPG-Prius hat sich der Einbau der Gasanlage gegenüber dem BMW bereits gelohnt. Außer acht gelassen wurden hierbei selbstverständlich der initiale Kaufpreis der Fahrzeuge sowie die angefallenen Reparaturen und Wartungskosten.

Als Zusatznotiz möchte ich erwähnen, dass diese und sogar niedrigere Verbräuche mit bestimmten Fahrzeugen in einer ähnlichen Preisklasse und eventuell mit reinem Diesel-Antrieb möglich sind. Ein bekannter Teilnehmer der "Auto Kilometer-Könige"-Gruppe auf Facebook schafft so auf den letzten 1.170.000 Kilometern mit seinem 1.9 TDI Skoda Fabia einen Durchschnittsverbrauch von 3,63 Litern Diesel sowie auf den letzten 437.000 Kilometern mit seinem Mini Cooper D F56 mit 1.5 Liter BMW-B37 Dieselmotor einen Durchschnittsverbrauch von 2,96 Litern. Seiner Aussage nach erreicht er das durch mitschwimmen auf der rechten Spur und 90% Autobahnanteil. Mit dem Mini kommt er so auf einen Kostenpunkt von 3,40€ pro 100 Kilometer. Besser als unser Prius mit LPG/Autogas wäre, dafür behielte der Prius den Wert von 3,90€ auf 100 Kilometer auch im überwiegenden Stadtbetrieb bei. Eine Facebook-Seite zu seinem Projekt findet sich hier.

Jedoch dann nur mit viel Mühe und einer sehr angepassten Fahrweise - das wäre bei einem Toyota mit HSD-Antrieb nicht notwendig und würde trotzdem zu vergleichbar geringen Kilometerkosten führen.

Die Reparatur- und Wartungsfrequenz

Wo wir schon beim nächsten Thema wären. Die Reparatur- und Wartungskosten. Hier schneiden die Fahrzeuge unterschiedlich ab. Der Renault Megane 2 CC 1.9 dCi war gelinde ausgedrückt eine Katastrophe - Turbolader-Probleme, ständige Probleme mit elektrischen Einrichtungen, defekte Glühkerzen. Insgesamt kostete mich der Megane in 16 Monaten etwas zwischen 1200 und 1500 Euro an Reparaturkosten, fahren konnte ich ihn in der Zeit nur etwa 30.000 Kilometer, dann erlag er dem Motorschaden. Vom Öl, das in dieser Zeit verbraucht wurde, möchte ich gar nicht anfangen. Von den drei ADAC-Einsätzen auch nicht, die musste ich glücklicherweise nicht selber zahlen.

Der BMW ist da nicht viel besser - nachdem ich durch die Wahl meines zweiten Fahrzeugs zwar Turbolader und Glühkerzen losgeworden bin, habe ich mir neue Probleme ins Haus geholt - namentlich Probleme im Kraftstoffsystem (Ventile, Sensoren, Hochdruckpumpe, Injektoren), Probleme mit der Steuerkette, Probleme mit der Vakuumpumpe und Probleme mit Zündspulen.

Einzig der Prius glänzt - es gibt für das 2009er Baujahr keine besonderen Anfälligkeiten. Er tut, was ein Toyota-Fahrzeug mit 1.8 Liter-Motor tun soll - funktionieren. Bei rund 100.000 Kilometern war der Auspuff etwas locker und rasselte (hing jedoch nicht herunter). Mit etwas Spucke, einem Schweißgerät, etwas Material und 17,70 für den Mechaniker war das wieder behoben.

Da Prii generell sehr gut dastehen was Reparatur- und Wartungsbedarf betrifft, ist hier mit einem Anstieg der Kostendifferenz zu rechnen. Den BMW erwarb ich mit 68.000, den Prius mit 83.000 Kilometern Laufleistung. Das Alter der beiden Fahrzeuge ist vergleichbar. Daher hier mal ein Auszug der mir bekannten Reparaturen (d. h. Zündkerzenwechsel, Ölwechsel und andere Wartungsarbeiten sind nicht eingerechnet) an beiden Fahrzeuge zwischen 68.000 und 126.000 Kilometern:

BMW

114.700: Niederdruckventil Kraftstoff bei BMW, ~400 Euro
124.600: Steuerkette, freie Werkstatt, ~1000 Euro
126.000: Vakuumpumpe undicht und verzogen, ~450 Euro
126.400: eine Zündspule defekt, 150 Euro

Total 68.000 - 126.000: 2000 Euro

Prius

98.243: Auspuff anschweißen, 17,70 Euro

Total 68.000 - 126.000: 17,70 Euro

Auch hört man zum Prius immer wieder Stammtisch-Parolen, er sei anfällig und die Batterie müsse irgendwann getauscht werden. Wenn diese getauscht werden müsse, würde das sehr teuer werden. Meist erhält man solche Informationen jedoch nur von Personen, die selber noch nie einen Prius gefahren sind. Fakt ist, dass unheimlich viele Taxi-Prii in der ganzen Welt verkehren und auch Foren und Facebook-Gruppen zeigen: Der Prius ist ein Langläufer, Kilometerlaufleistungen von über 300.000 sind die Regel. Meist mit der ersten Batterie.

Eine vollständigere Mängel- und Reparaturliste des BMW zwischen 68.000 und 168.000 Kilometern habe ich im Artikel "3 Jahre und 100.000 (insg. 168.000) Kilometer BMW 3er E91" platziert.

Das Fahrgefühl und der Fahrkomfort

Der BMW ist ein sportliches Fahrzeug, das macht sich in engen Kurven und auch sonst beim fahren definitiv bemerkbar. Man merkt das tolle Gefühl vom Heckantrieb angeschoben zu werden, kann sich im Winter auf leere, zugeschneite Parkplätze freuen und fährt dennoch komfortabel - auch auf langen Strecken:

Aber ist das die hohen Mehrkosten für Kraftstoff und Anschaffung wert? Jedenfalls punktet der BMW noch in einem anderen Bereich - die Verarbeitung und Materialien des Innenraums. Hier gibt es beim BMW wirklich nichts zu meckern. Lediglich einige Gummiteile und Softlack-Oberflächen lösen sich oder zeigen erhebliche Gebrauchspuren (nach 8-10 Jahren). Im Sommer ist an den Fenstern hin und wieder ein Knacken zu höhren, wenn das Fahrzeug sich in Bewegung setzt.

Während der Megane eine ähnliche Sitzposition wie der BMW bietet, sind seine Fahreigenschaften dennoch komplett anders. Die Lenkung ist direkter, aber nicht unbedingt leichter. Der Wagen ist etwas leichter zu manövrieren, aber besonders nach Hinten raus unübersichtlicher. Definitiv kein passendes Fahrzeug für ältere Semester.

Die Verarbeitung im Innenraum ist in Ordnung für diese Fahrzeugklasse. Bestimmte Oberflächen lösten sich nach 10 Jahren, zum Beispiel die Beschriftung des Schaltknaufs. Das Armaturenbrett knarzte unaufhörlich. Ein Display im Kombiinstrument war teildefekt. Die Handbremse war etwas schwergängig.

Der Prius hingegen bietet einen mittleren Komfort und eine maximal kompatible Sitzposition. Seine Lenkung ist federweich und mit dem kleinen Finger steuerbar. Auf längeren durchgehenden Strecken wird er etwas unbequem am Steiß. In der Tat sind die Materialien im Innenraum nicht die luxuriösesten, hartes Plaste wohin das Auge sieht. Aber alles funktioniert und es gibt keinen Softlack der sich nach ein paar Jahren auflöst. Negativ beim Prius ist wieder die Übersicht: An die doppelte Heckscheibe muss man sich gewöhnen.

Der Prius hat aber noch eine ganz andere Eigenschaft, die keines der anderen beiden Fahrzeuge ausstrahlt: Gelassenheit. Durch sein Antriebskonzept aus Verbrennungsmotor, zweier Elektromotoren und einem Planetengetriebe entfallen Schaltvorgänge. Beim Anfahren am Berg tritt man das Bremspedal etwas tiefer und aktiviert so den Berganfahrmodus um nicht zurückzurollen (das ist bei sehr starker Steigung oder Gefälle möglich). Der Wahlhebel des Getriebes ist ebenfalls mit dem kleinen Finger bedienbar. Staus, Ampeln und Bahnschranken meistert der Prius hervorragend: Solange die Batterie einigermaßen voll ist, kann trotz abgeschaltetem Motor die Klimaanlage weiterverwendet werden.

Die Alltagstauglichkeit

Hier schneiden BMW und Prius gut ab, der Megane 2 CC eher weniger. Während der BMW pfiffige Transportkonzepte bietet und der Prius durch seine große Heckklappenöffnung sowie seinen nahezu geraden Boden bei umgeklappten Sitzen punktet, bietet der Megane zwar einen im Nennvolumen großen Kofferraum, der aber nicht mit der Fahrgastzelle zu verbinden ist und wenn der Cabriomodus aktiviert sein soll, auch gar nicht mehr so groß erscheint.

Der Prius bietet viel Stauraum, eine große Heckklappenöffnung, hat zwei Handschuhfächer aber verschenkt Platz mit der klobigen Mittelkonsole, die Fahrer und Beifahrer zwar gut voneinander trennt, aber deren Platz sinnvoller hätte genutzt werden können. Wobei sich was die Mittelkonsole angeht keines der Fahrzeuge mit Ruhm bekleckert - hier wäre der Sieger eindeutig unser Renault Scenic.

Der BMW besticht unter anderem durch sein Transportnetz, welches wahlweise den Kofferraum und dessen Inhalt sichert oder hinter den Vordersitzen montiert werden kann und damit ermöglicht, große oder viele Dinge sicher zu transportieren. Der BMW ist auch das Fahrzeug, welches die höchste Zuladung zulässt - konkret sind es 560 Kilogramm. Beim Megane sind es 455 Kilogramm und beim Prius nur 310 Kilogramm. Und da wir einmal beim Renault Scenic waren: Da sind es 600.

Das Äußerliche

Gut, ja, hier gewinnt wohl der BMW. Als Statussymbol hält er allemal her. Ob nun als 318i oder 335i, Facelift wahrscheinlich eher als Vorfacelift.

Der Prius, die "Treehugger-Reisschüssel" als Statussymbol wohl nur für Grüne der alten Schule und Schwaben. (Aber spielt das eine Rolle, wenn ich für Leipzig-München nur 15€ und für Berlin-München nur 24€ an Kraftstoffkosten zahlen muss? Weiter gedacht: Spielt das eine Rolle wenn ich für Leipzig-München 19€ pro Person und für Berlin-München 26€ pro Person bei BlaBlaCar verlangen kann und somit zum Negativtarif fahren kann?)

Der Megane als Coupe-Cabriolet ist wohl ein mehrheitlich von Damen gefahrenes Fahrzeug. Auch wenn das jetzt hart klingt, so würde mich eine Statistik, wenn es denn eine gäbe, sicher bestätigen. Aber immerhin ist er ein Cabrio mit Hardtop - und da ist mir das äußere Erscheinungsbild relativ egal. Nissan Micra Coupe+Cabriolet und Opel Tigra ausgenommen.

Und überhaupt finde ich das grundlegende Design des Megane 2 auch fein, wenn es denn nicht gerade mit übertrieben schrecklichen Felgen verschlimmbessert wird (OK, Geschmackssache ...):

Abschluss

Kommen wir nun zum Abschluss: Was ist mein persönliches perfektes Fahrzeug? Das wäre wohl ein BMW 3er oder 5er mit Toyota HSD-Antrieb und LPG/Autogas-Anlage. Dank der 136 PS Systemleistung des Prius 3 ist die Leistung auch etwa mit dem 318i aus 2009 mit 143 PS oder den neueren 318i mit 136 PS vergleichbar. Würde man diese Idee auf die leistungsstärkeren 3er insbesondere der E90-Reihe, aber auch der Nachfolgemodelle übertragen, könnte der 2.0 Hybrid-Antrieb des neuen Corolla E210 mit einer Systemleistung von 180 PS oder der 2.5 Hybrid-Antrieb des RAV4 mit einer Systemleistung von 218/222 PS zum Einsatz kommen. Damit wären die Leistungsbereiche bis an den 325i und fast an den 328i abgedeckt.

Um jedoch in der Realität zu bleiben: Mein Favorit wäre ein Toyota Auris II Touring Sports 1.8 VVT-i Hybrid mit LPG-Anlage und Panoramadach. Dieser Wagen würde für mich die perfekte Symbiose aus Design und Nutzwert bieten. Dank identischem Antrieb mit dem Prius 3 würde ich mir keine Sorgen um anstehende Reparaturen oder unerwartete Ausgaben machen. Die Preise bewegen sich derzeit bei etwa 15.000 Euro für einen Auris II Kombi mit Panoramadach, Hybridantrieb und einer ungefähren Laufleistung von 60.000 Kilometern. Eine Gasanlage würde wahrscheinlich mit 2.500 Euro zu buche schlagen. Wenn dann noch etwas übrig ist, könnte ich über den Luxus einer Standheizung nachdenken. Danach hieße es: Für 15€ Leipzig-München und im Winter sogar vorgewärmt.

Auch der neue Corolla als Kombi wäre interessant, jedoch ist dieser aufgrund des geringen Alters preislich noch nicht zu rechtfertigen.

Der Vollständigkeit halber habe ich noch einen weiteren Graphen gefertigt, welcher die in der Familie zurückgelegte Strecke unserer Fahrzeuge darstellt und auch darstellt, wann sich eine LPG/Autogas-Umrüstung gelohnt hätte/lohnen würde. Der Graph ist gekürzt auf 140.000 Kilometer, obwohl wir mit dem Renault Scenic eigentlich 227.000 Kilometer zurückgelegt haben. Ob die Umrüstung in der Praxis wirklich möglich ist, wurde nicht berücksichtigt, besonders die Umrüstung der Facelift E90er (ab dem Facelift wurde beim 318i/N43 und weiteren Motoren von Saugrohr- auf Direkteinspritzung umgestellt) wird heiß diskutiert und ist derzeit nach meinem Kenntnisstand nicht möglich.

Allgemein

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